Was ist die Bürgerinitiative NoMoorGas?
Wir sind eine Initiative von Bürger*innen aus den Gemeinden Grasberg, Lilienthal, Ottersberg und Umgebung. Wir bestehen seit dem Jahr 2018, als die damalige DEA (später Wintershall/DEA) plante, seismische Untersuchungen in der Region durchzuführen, um eine mögliche Erdgasförderung umzusetzen.
Wir sind als BI mit vielen anderen bestehenden Initiativen vernetzt. Unser damaliges Ziel war es aber auch, niedersachsenweit Aufmerksamkeit und Unterstützung zu finden. Dies ist uns gelungen und wir konnten unser Anliegen nicht nur in der Landespolitik adressieren, sondern auch nach Berlin und Brüssel transportieren. Zudem sind einige Mitglieder der BI selber politisch aktiv geworden und haben Mandate in Gemeinde- und Kreisräten übernommen.
Was wollen wir verhindern?
Viele fossile Unternehmen fördern seit Längerem Erdgas in verschiedenen Regionen, die fast ausschließlich (= 98% der innerdeutschen Förderung) in Niedersachsen liegen. Um die Förderung auszuweiten, plante zunächst 2018 die DEA seismische Messungen in den besagten Landkreisen. Von diesen Planungen nahm das Unternehmen auf Grund des Protestes in der Bevölkerung sowie wirtschaftlichen Betrachtung Abstand und gab anschließend das Aufsuchungsfeld wieder ab.
Im März 2026 hat das kanadische Unternehmen Vermilion Energy einen weiteren Anlauf geplant und eine Aufsuchungserlaubnis für den Bereich „Unterweser I“ zugesichert bekommen. Auch hier ist unser Ziel wie 2018 klar: wir möchten die Erdgasförderung in unserer dicht besiedelten Region mit allen bekannten Gefahren und Risiken verhindert – und dies bereits in allen Vorstufen zu einer möglichen Förderung.
Erdgasförderung hat aus unserer Sicht weder hier noch sonstwo auf die Welt eine Zukunft. Die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energien und eine Abkehr von Fossilen Energien ist vor dem Hintergrund der Klimakrise der einzig richtige Weg.
Wie kann man die Messungen verhindern?
Der erste und wichtigste Schritt ist die Weigerung jedes Grundeigentümers, sein Grundstück betreten zu lassen für seismische Messungen oder sonstige Maßnahmen. Für das Betreten oder Befahren ist eine schriftliche Erlaubnis notwendig, die man nicht erteilen muss und die auch leicht widerrufen werden kann. Ohne Messung keine Förderung! Auch die Gemeinden und Landkreise können die Nutzung ihrer Straßen für die Vibro-Trucks untersagen und haben dies vielfach bereits getan.
Warum sollte man bereits die Aufsuchung von Erdgas verhindern?
In dem zu untersuchenden Gebiet ist ein enormes Gasvorkommen zu erwarten, für dessen Erforschung die Unternehmen große Investitionen tätigen müssen. Sollte sich während der ersten Untersuchung bestätigen, dass das Gasvorkommen nicht nur vorhanden, sondern dessen Förderung wirtschaftlich rentabel ist, ist eine anschließende Förderung aus unserer Sicht der nächste logische Schritt.
Sobald das Unternehmen dann den Betriebsplan zur Förderung einreicht und das Verfahren startet, haben die Bürger*innen laut Bergbaurecht wenig bis kaum einen Einfluss auf das Verfahren.
Was ist daran für Leute interessant, die weit weg vom Geschehen leben?
Wenn es gelingt, die Messungen in einem Dorf zu verhindern, wird man sie andernorts erneut versuchen. Damit nicht eine Region gegen die andere ausgespielt werden kann, wollen wir im letzten Schritt einen landesweiten Stopp der Erdgasförderung erreichen. Dagegen wird aus der Energiewirtschaft argumentiert, dass Erdgas eine relativ saubere „Brückenenergie“ auf dem Weg zum Umstieg auf erneuerbare Energien sei. Unsere Überzeugung aber lautet: Gas ist und bleibt ein fossiler Energieträger, der genau wie Braunkohle, Erdöl usw. angesichts des Klimawandels in Verantwortung für die nächsten Generationen nicht länger verbrannt werden kann. Es darf nicht sein, dass für ein offensichtliches „Auslaufmodell“ derartige Risiken eingegangen werden – weder in unserer dichtbesiedelten Heimat noch im menschenleeren Sibirien.
Hat unser Bürgerprotest eine Chance gegen große Konzerne?
Nach den Erfahrungen aus den Jahren 2018 bis 2020 können wir ganz klar sagen: JA.